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Pressebereich

Aus der Traum vom Richteramt?

Jurastudentinnen mobben kurdische Kommilitonin

Gerichtshof prüft Behauptung, Selin C. habe bei der Prüfung betrogen – Zeuge spricht von „Hetzkampagne“– Gericht würdigt keine entlastenden Aussagen

 

Wiesbaden im April 2008 - Selin C. ist eine aufgeschlossene und smarte Kurdin. Ihr Traum ist es, eines Tages Richterin an einem deutschen Gericht zu sein. Zielstrebig verfolgte die Jurastudentin ihr Ziel: In nur acht Semestern schloss die 26jährige an der Universität L. ihr Jurastudium mit dem 1. Staatsexamen ab und begann ihr Rechtsreferendariat am Landgericht D. Selin C. kam damit ihrem Traum ein ganzes Stück näher. Doch der scheint nun an einer Clique missgünstiger, deutscher Mitstudentinnen zu zerplatzen.

 

Im Juli 2006 schrieb Selin C. ihre Klausuren, die sie mit überwiegend hervorragenden Bewertungen abschloss. Auch ihre Hausarbeit wurde hervorragend benotet. Die daran anschließende mündliche Prüfung im Januar 2007 verlief hingegen weniger gut, weil sie sehr aufgeregt war und ihr der Prüfungsstoff nicht lag. Dennoch bestand sie ihr 1. Staatsexamen sofort beim ersten Versuch.

Selin C. begann daraufhin ihr Rechtsreferendariat beim Landgericht D. Im Juli 2007, also ein ganzes Jahr nach ihrer schriftlichen Prüfung, erhielt sie einen Brief von ihrem Prüfungsamt, in dem die junge Juristin aufgefordert wurde, sich zu Vorwürfen zu äußern, nach denen sie bei ihrer Prüfung betrogen habe. Das Justizprüfungsamt hatte einen entsprechenden Hinweis - wohl aus Studentenkreisen - erhalten und daraufhin Ermittlungen eingeleitet. Es folgte im Oktober 2007 ein Bescheid, der ihr Staatsexamen für nachträglich nicht bestanden erklärte.

Mit diesem Schreiben brach für Selin C. eine Welt zusammen. Sie konnte die Vorwürfe weder fassen noch konnte sie sich diese erklären. Später stellte sich heraus, dass der Auslöser die Behauptung einer Mitstudentin war, die Selin C. dabei beobachtet haben will, wie sie bei den Prüfungen betrogen hat.

Selin C. kennt die Mitstudentin zwar „schon vom ersten Semester an“, sie hatten auch gemeinsame Freundinnen, waren aber ansonsten nicht weiter freundschaftlich miteinander verbunden. Schon sehr früh im Studium habe sich die Mitstudentin, die sich im Internet als politisch „konservativ“ bezeichnet und die musikalischen Rechtsausleger „Böhse Onkelz“ zu ihren Lieblingsgruppen zählt, negativ über die Kurdin geäußert.

Nach dem ersten Schock über die Aberkennung ihres Staatsexamens schaltete Selin C. die Wiesbadener Rechtsanwältin Sibylle Schwarz ein, die Klage gegen die Rücknahme des 1. Staatsexamens vor dem Verwaltungsgericht L. einreichte. In den darauf folgenden drei Prozesstagen stellte sich im Zuge der Zeugenanhörung heraus, dass fast alle Zeugenbeobachtungen auf Aussagen Dritter zurückgriffen. Zeugen kolportierten Gerüchte, hatten selbst jedoch nichts verdächtiges gesehen. Selbst den drei Aufpassern, darunter ein Staatsanwalt, die gleichzeitig die Prüflinge während der Klausuren im Auge behielten, war nichts verdächtiges aufgefallen. Bei der „Hauptzeugin“ selbst stellte der Richter „Belastungseifer“ fest und ein Zeuge erklärte dem Gericht, dass es eine „Hetzkampagne“ der deutschen Mädchenclique gegen die junge Kurdin gegeben habe. Diese Aussage, die er bei einer Anhörung des Justizprüfungsamtes abgab, wurde dort jedoch nie zu Protokoll genommen.

Ungeachtet der Tatsache, dass ein Zeuge eine „Hetzkampagne“ gegen die Kurdin sah, dass es eine ganze Reihe entlastender Zeugenaussagen gab, dass die Aufpasser nichts gesehen hatten und einer der Zeuginnen sogar „Belastungseifer“ bestätigt wurde, wies das Verwaltungsgericht D. im Februar 2008 die Klage der jungen Frau ab. Damit bleibt ihr Staatsexamen weiterhin aberkannt und ihr Traum von einem Beruf als Richterin an einem deutschen Gericht ist von der Realität weiter entfernt denn je.

Inzwischen lebt Selin C. wieder bei ihren Eltern. Sie ist arbeitslos gemeldet und steht vor einer ungewissen Zukunft. Ihre letzte Hoffnung ruht nun auf einer Berufung vor dem Gerichtshof.



Mehr Informationen zu diesem Fall erhalten Sie von:

Rechtsanwältin Sibylle Schwarz

else.schwarz Rechtsanwälte Partnerschaft
Berliner Str. 233
65205 Wiesbaden

Telefon: 0611 174536 0
E-Mail: sch@else-schwarz.de

Homepage: www.else-schwarz.de

 

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Dateityp: pdf - Dateigröße: 30.7 KB - Upload: 14.06.2008 - Downloads: 2483

Michael A. Else
Rechtsanwalt

Fachanwalt für
Verwaltungsrecht

Sibylle Schwarz
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